Demokratie ist auch, wenn man nicht immer mitbestimmen kann


Es sind Sommerferien, da passiert in der Regel nicht viel, die meisten sind im Urlaub, vor allem bei den Behörden ist Sommerpause.  Und entweder wurde alles vor den Ferien organisiert (z.B. Möbel für das kostenlose Mittagessen bestellt: diese mussten deutlich vor den Ferien organisiert werden, damit hier rechtzeitig nach den Ferien alles da ist. Allerdings war im Moment der Bestellung noch nicht klar, wie viele Schülerinnen und Schüler essen werden…nun ja.) oder eben dann wieder nach den Ferien. 

Ihr seht, wir füllen wir das Sommerloch ein bisschen mit denkwürdigen Geschichten aus der Welt der Schulpolitik.

Mitbestimmung der Eltern – möchte das jemand?

Da sind zum Beispiel diese Momente, in denen wir vom Vorstand ein bisschen daran zweifeln, ob Mitbestimmung der Eltern wirklich gewünscht wird, oder es einfach nur so im Schulgesetz steht einfach, weil es drinstehen muss. Denn: “Eltern sollten sich tunlichst aus der Schulpolitik raushalten, das macht alles nur komplizierter” macht sich nicht so gut im Schulgesetz.

Ein Blick ins Schulprogramm deutet an, wo hier die gewünschten Schwerpunkte in Sachen Elternengagement liegen: die Bibliothek wird komplett von Eltern organisiert, Mithilfe beim Organisieren vom Flohmarkt, Schulfest, bei der Soirée, beim Förderverein und beim Kuchenverkauf, Unterstützung der Musical-AG, stehen ganz vorne im Schulprogramm (wer sich dafür interessiert, HIER findet ihr das Schulprogramm der Flämingschule):

Mitarbeit wird also explizit gewünscht, ein reibungsloser Ablauf des Schuljahres wäre ohne ehrenamtliche (!) Elternmitarbeit kaum möglich, unter Punkt X. findet sich im Schulprogramm die Rubrik „Elternmitarbeit“ erst am Schluss wird hier die Mitwirkung in den Gremien erwähnt:

„Nicht zuletzt beteiligen sich die Eltern in den schulischen Gremien (z.B. bei Elternabenden, in der Gesamtelternvertretung, in Fachkonferenzen sowie in der Schulkonferenz). Dabei stehen sie in den jeweiligen Funktionen verschiedenen Ansprechpartnern gegenüber und wirken bei der Umsetzung der gefassten Beschlüsse mit.“

Zur Info für euch: die Schulkonferenz ist das höchste Gremium an der Schule, mit Vertretern der LehrerInnen, der ErzieherInnen und eben der Eltern, sowie einer schulfremden, neutralen Person, sozusagen der Bundestag der Schule. Und es ist das einzige Gremium, in dem die Eltern ein Mitbestimmungsrecht haben, bei der Gesamtkonferenz (Mitglieder: ErzieherInnen und LehrerInnen) sind Eltern nur Gäste, und haben Rederecht, aber kein Stimmrecht.

Worum geht es hier eigentlich?

Die Änderungen der Rhythmisierung in Form einer um 10 Minuten verlängerten Pause für die 5. und 6. Klassen und natürlich die Umnutzung der Küche und des Nawi-Raums (dazu kommen wir später noch), sind in unserer Welt Themen, die auf jeden Fall auf der Schulkonferenz abgestimmt werden sollten. Dachten wir.

Und jetzt kommt’s: diese Änderungen wurden auf der Gesamtkonferenz (Gremium für LehrerInnen und Erzieherinnen) abgestimmt und danach zwar lange auf der Schulkonferenz diskutiert und per Antrag der Schulleitung abgestimmt (alle vier Elternvertreter stimmten dagegen, den Ergebnissen der Umfrage unter euch Eltern (die Ergebnisse findet ihr HIER) entsprechend), im Nachhinein stellte sich aber heraus, dass diese Veränderungen der Rhythmisierung NICHT auf der Schulkonferenz hätten abgestimmt zu werden brauchen. Dito die Umnutzung der Räumlichkeiten (Küche und Nawi-Raum).

Wir vom Vorstand fanden das irgendwie irritierend und waren zu diesem Thema auch mit der Schulaufsicht im Kontakt. Die Schulaufsicht fühlt sich nicht zuständig und nennt das ein „schulinternes Thema“, das eben auch schulintern zu klären ist. 

Schulintern “geklärt” wurde es folgendermaßen: es wurde nach Rücksprache mit der Rechtsstelle des Senates nun entschieden, dass die Veränderung der Pause (und damit auch in der Folge keine entspannten Essensbedingungen für die Schülerinnen und Schüler) nicht in dem einzigen Gremium abgestimmt werden muss, in dem Eltern vertreten sind und somit die obige Regelung zum neuen Schuljahr umgesetzt wird.

Elternmitbestimmung – ja gerne, aber nur wenn es passt?

Oder: nur wenn die Eltern alles unkritisch abnicken? Oder: Elternengagement, aber nur beim Förderverein, in der Bibliothek und beim Kuchenverkauf?

Wir vom Vorstand finden das alles sehr sehr merkwürdig. Sind wir damit alleine? Schreibt uns gerne dazu: gev.vorstand@eltern-flaemingschule.de

Der Bezirksstadtrat Oliver Schworck hat auf dem letzten Bezirkselternausschuss (BEA) übrigens nochmal bestätigt, was auf dem vorletzten BEA verkündet wurde, nämlich: dass es für die Fläming-Grundschule eine räumliche Lösung gäbe, „in Schulnähe seien Räume angemietet worden“. Deswegen sei die Fläming-Grundschule beim bezirksinternen Ampelsystem jetzt von „dunkelrot“ (=zuwenigplatz) auf „gelb“ (=läuftbeiuns) eingruppiert. Na, dann ist ja alles super!

Bei besagten Räumlichkeiten handelt es sich um die Erdgeschossräume des eFöB, hier ist die Sparkasse als Mieterin zwar physisch ausgezogen, zahlt aber noch fröhlich Miete bis zum nächsten Jahr und der eine oder andere Tresor steht da auch noch rum. 

Nun hat man bei der Sparkasse offensichtlich keine Eile, hier irgendwas aus – oder rückzubauen, außerdem gehören die Räumlichkeiten dem Nachbarschaftsheim und die Mietzahlungen sind natürlich höchst willkommen, und der Bezirk würde so gerne die Räume für das Mittagessen nutzen lassen, kann aber nichts beschleunigen. TRILEMMA! 

Auf dem Bezirkselternausschuss (BEA) in der letzten Woche auf den Stand der Dinge der Räumlichkeiten angesprochen, gab Herr Schworck nur ausweichende Antworten, was die zeitliche Komponente betrifft. 

Aber: Hauptsache, wieder eine Schule weniger im roten Bereich, die Statistik sieht so einfach besser aus!

Und, hey: wir haben doch Räume fürs Essen! Und es gibt Schulen, da ist nicht mal Platz zum Essen für alle Schüler. Oder: die Kantine wird in Kellerräumen untergebracht. Also, seien wir dankbar!

Und so sind wir also dankbar, die Tage gehen ins Land und solange hier keine Einigung herbeigeführt wird, befinden sich also im Erdgeschoss vom eFöB leere ungenutzte Räume, während in eFöB und Schule Räume zweckentfremdet werden. Es geht mal wieder: um Geld. So einfach ist das manchmal.

Die geplante Nutzung der Räume ist nicht im Sinne des Schulprogramms

Und deswegen können SchülerInnen und Schüler nicht mehr, wie im Schulprogramm festgeschrieben, zum Thema „Kochen” unterrichtet werden, denn die Küche wird jetzt zum Essraum. Nutzbar wäre die Küche zum gemeinsamen Kochen und Essen bis 10 Uhr (Anlieferung Essen) und dann ab 14 Uhr wieder (oder eben dann, wenn alles aufgeräumt ist). Der Witz braucht ein bisschen, aber dann ist er richtig gut, oder? 

Hier ein Auszug aus dem Schulprogramm der Fläming-Grundschule:

„Basales Kochen hat für viele Schüler an unserer Schule eine hohe persönliche Bedeutung. Es wird ein kleines Gericht geplant, eingekauft, gekocht oder gebacken, der Tisch gedeckt, gemeinsam gegessen, eingeladen oder Zubereitetes mitgegeben, um andere Kinder oder Lehrer am Ergebnis teilhaben zu lassen. Zuletzt wird abgewaschen und aufgeräumt. Freude, Stolz und die Übernahme von Verantwortung für sich und das gemeinsame Projekt spielen dabei eine wichtige Rolle. (…)

Gefördert wird die Stärkung der Persönlichkeit und soziale Kompetenz, lebenspraktische Fähigkeiten und Fertigkeiten, Orientierung in der Umwelt, Planung und Durchführung von immer umfangreicheren Abläufen, Umweltwissen, Selbstständigkeit und Selbstversorgung. Andererseits werden Lerninhalte einbezogen, trainiert und sinnvoll integriert, die auch in anderen Unterrichts- und Lebenszusammenhängen von Bedeutung sind, wie Lesen und Umgang mit Mengen und Zahlen, messen, wiegen, abschätzen, Umgang mit Geld.

Je nach unterrichtlicher Einbettung, Gruppensituation, Alter, Lernausgangslage und entwicklungsbezogene Zielsetzungen stehen dabei unterschiedliche Inhalte und Förderschwerpunkte im Vordergrund. Tisch decken, am Tisch sitzen bleiben, Tischmanieren, Brot streichen gehören genauso dazu wie den Einkauf planen und durchführen, Rezepte für Kuchen oder andere Speisen lesen, den Arbeitsplatz vorbereiten, die einzelnen Arbeitsschritte immer sicherer durchführen.“

Zusammengefasst: ein Ort, der einen wichtigen pädagogischen Wert für unsere Schule mit inklusivem Schwerpunkt darstellt, wird jetzt einfach als Essraum umgewidmet und kann nicht mehr (zumindest nicht zu Schulzeiten) zum Kochen genutzt werden, und das muss nicht in der Schulkonferenz abgestimmt werden?

Das finden wir auch sehr merkwürdig, aber damit sind wir offensichtlich alleine. 

Und so warten wir also bis zum Beginn des Schuljahres gespannt auf die ersten Wochen der Umsetzung des kostenlosen Mittagessens. Ihr könnt übrigens ein bisschen dazu beitragen, dass diese Umsetzung so reibungslos läuft, wie möglich: HIER ist der Vertrag vom Caterer „Weisser Elefant“ den ihr bitte ausfüllt, wenn euer Kind/eurer Kinder keinen Hortvertrag hat, aber trotzdem essen sollte. 

Nicht angemeldete Kinder werden übrigens bei der Planung nicht eingeplant und bekommen somit kein Mittagessen (Essensausweis), mitteloptimal wären allerdings auch angemeldete Kinder, die dann aber doch nicht zum Mittagessen gehen (Stichwort Foodwaste).

Unsere Bitte an euch: überlegt mit euren Kindern zusammen, ob es/sie am Essen teilnehmen soll oder nicht. Denn für jedes angemeldete Kind wird eine Portion gekocht, die wird dann im Zweifel entsorgt, wenn das Kind nicht zum Essen kommt. Vielen Dank für eure Mitarbeit!

Wir können vorerst nichts mehr machen, beobachten das Ganze aber weiterhin für euch und bleiben dran an dem Thema, versprochen!

Euch einen schönen Sommer!

Euer GEV-Vorstand

Markus, Nicole, Monique und Sophie 

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